Eisenbarth - Orgel - Freyung

Das Konzept dieser Orgel stellt für die Nachkriegsgeschichte des deutschen Orgelbaues ein hervorragendes Beispiel dar. Basierend auf dem Gedanken der Orgelreform in den 20-er Jahren, die durch die politischen Ereignisse erst in der zweiten Hälfte des 20-ten Jahrhunderts realisiert werden konnten, wurde vom damaligen Passauer Domorganisten Walther R. Schuster eine für die Größe der Kirche sehr umfangreiche Disposition entwickelt.Damit entstand ein Instrument, das vornehmlich der Darstellung polyphoner Musik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie stilistisch daran anknüpfender Kompositionen des 20. Jahrhunderts dient.

Farbigkeit und Klarheit, selbst der Spaltklang wurden zu den wichtigsten Charakteristiken. Daraus resultiert die reiche Besetzung von Aliquoten und gemischten Stimmen, das Zurückgehen auf die unbedingt notwendigeZahl von Grundstimmen und das fast gänzliche Fehlen von Streichern.Auch die Mensurierung und Intonation wurde mit dem fast völligen Verzicht auf Kernstiche und der Verwendung minimaler Aufschnitthöhen auf dieses Klangziel abgestimmt Dieser Kontrast zur Spätromantik erscheint aus heutiger Sicht bereits schon wieder einem vergangenen Denken anzugehören, betrachtet man doch die Orgeln des 19.Jahrhunderts jetzt mit anderen Augen und Ohren.Hinzu kommt, dass man auch dieses Gehäuse (v. Franz Hafner) in seinen kristallinen Formen nicht mehr so leicht realisieren könnte.Aber gerade diese "ausbalancierte" Unsymmetrie spiegelt optisch sehr wohl auch die klangliche Aussage dieser Orgel wider und führt dadurch wieder zur Homogenität, was schließlich das Ziel jedes guten Instruments sein muss.

Wolfgang Eisenbarth